Wähle nicht: Wie Entscheidungsverweigerung unsere Zeit raubt
Wenn man in ein Auto steigt, hat man normalerweise das Ziel, an einen Ort zu fahren und dort wieder auszusteigen.
Das ist eine schöne Metapher für das abstraktere „sich Ziele im Leben setzen“; nehmen wir an, es gibt keinen Unfall und nichts hindert mich daran, dort anzukommen, dann bin ich dort. Und während ich dort bin, kann ich nicht hier sein. Also habe ich schon eine Entscheidung gegen hier und für dort getroffen. Aber was dann? Wenn ich dort bin, schaue ich auf hier und denke mir, eigentlich war es hier doch besser.
Wenn ich einen Job habe, bei dem ich in einem Büro bin, dann denke ich mir, daß ich zu Hause lieber wäre. Wenn ich zu Hause bin, denke ich mir das Gegenteil. Oft ist es so, daß wir uns in die Zukunft denken, in ein konkretes Ziel, in ein Gefühl der Zufriedenheit. Ein Gefühl, das sagt „Jetzt habe ich alles erreicht, was ich erreichen wollte. Jetzt habe ich die richtige Entscheidung getroffen und jetzt paßt alles.“
Aber so wie ich an Orte fahre und dann dort bin und die Orte so sind, wie sie sind, so ist es auch mit den Zielen, die ich habe.
Sodaß die Ziele dann erreicht werden oder nicht erreicht werden. Und ich merke, daß es eben wieder nur ein Ziel ist, das ich erreicht habe. Und nachdem ich immer mehr Ziele erreicht habe, kann ich mir dies auch künstlich schaffen, indem ich sage, eine bestimmte Zahl sei mein Ziel, ein Geldbetrag auf dem Konto. Und dann erreiche ich diesen Geldbetrag und dann merke ich, daß das Leben weitergeht mit diesem Geldbetrag. Oder wenn ich es investiere, dann wird es weniger. Oder es verliert an Wert durch Inflation. Dieser Versuch, sich einen Vorteil zu verschaffen, indem man sich nicht entscheidet, raubt einem einfach Lebenszeit.
Denn genau das ist es, was viele Menschen glauben, daß sie diesem ausweglosen und deprimierenden Spiel entkommen, indem sie sich einfach nicht entscheiden. Indem sie einfach alles ablehnen und dann hoffen, daß sie irgendwann die richtige Tätigkeit finden. Und mit Arbeit ist nicht nur das gemeint, das Geld einbringt, sondern jede Art von Tätigkeit.
Sonst stehe ich morgens auf und sage dies nicht, das nicht, jenes nicht und wiederhole diesen Prozeß jahrzehntelang.

