Wollen Spieler von 3D-Spielen Sklaven?

Doug Roble ist ein Wissenschaftler im IT-Bereich. Er interessiert sich insbesondere für Motion Capture, VR und Performance Capture.

Doug Roble
Doug Roble (c) Zimbio

Motion Capture und Performance Capture bedeutet, er schaut wie er Bewegungen des Gesichtes, als auch des Körpers auf eine virtuelle 3D-Figur übertragen kann und das möglichst originalgetreu um der Figur Leben einzuhauchen.

In einem TED-Vortrag redet er darüber, daß er in der Lage sei, mit Maschinenlernen die Bewegungen eines Charakters so genau seinem Vorbild nachahmen zu lassen, daß das Ergebnis inzwischen schon das sogenannte Uncanny Valley überwunden habe.

Uncanny valley (c) Wikipedia

Uncanny Valley heißt, es gibt beispielsweise eine Comicfigur als Ausgangsbasis. Jeder weiß, daß sie nicht real ist, daher nimmt sie auch keiner ernst – schließlich sind die Animationen gezeichnet und damit bewußt übertrieben.

Je mehr man versucht, diese Figur menschlich zu machen, desto ungewöhnlicher oder unheimlicher, was uncanny bedeutet, wird diese Figur.

Das erreicht einen oberen Wendepunkt beim Roboter, ab dann geht es in ein Tal beim Zombie, um dann steil bergauf in Richtung eines gesunden Menschen zu gehen. Ab dann ist es nicht mehr unheimlich oder falsch, jetzt ist es real. Bücher zum Uncanny Valley finden sich unten auf dieser Seite.

Doug Roble und sein Team kommen diesem menschlichen Bild sehr nahe mit ihrer aktuellen Methode; sie nennen sie „glaubwürdig“ im Sinne von „dann wird der Charakter glaubwürdig“.

Bei dem Vortrag sieht man in Echtzeit den Charakter gesehen, der durch den Redner gesteuert wird.

Gamer (2009) (c) Wikipedia

Diese Steuerung hat mich erinnert an den Film Gamer von 2009 mit Gerard Butler und einigen anderen Prominenten. Es ging dabei darum, daß Charakter durch in ihr Hirn implantierte Steuerungszellen fremdgesteuert waren und Spieler vor so etwas wie einer Kinect oder einer anderen 3D-Kamera Bewegungen ausgeführt haben. Durch die Steuerungszellen wurden diese Bewegungen auf den anderen Mensch übertragen, so daß die Spieler durch die Figur, durch deren Augen schauen konnten und quasi durch sie leben konnten. Ohne Risiken einzugehen.

Gerard Butler spielt „Kable“, einen mit Steuerungszellen ausgestatteten Verhafteten, der durch einen Jungen gesteuert wird. Das Ziel ist es, ihn in Slayers dazu zu bringen, andere reale Verhaftete zu töten.

Gamer ( 2009) Society

Ein ähnliches Prinzip wird bei seiner Frau Nika angewandt, die in Society eingebunden ist. Society ist ein anderes „Spiel“, in dem es darum geht, sich sexuell auszuleben und bei Kable geht es eben darum, sich gewalttätig auszuleben. Du kannst den Film hier* erwerben.

Die Charakterkontrolle, die Doug Roble ausgeführt hat, hat mich erinnert an die Charakterkontrolle, die dieser Junge ausgeführt hat, um Kable zu steuern. Es schien also so, als ob der virtuelle Charakter von Doug Roble das gar nicht will, aber dann gezwungen wird, seine Bewegungen auszuführen.

Das Gleiche hat man auch, wenn man W bei einem Computerspiel drückt. Zuerst scheint der Computercharakter zu leben, was natürlich Einbildung ist, und dann folgt er deinem Befehl, du drückst weiter W und läßt ihn unabsichtlich in einen Abgrund springen und „sterben“.

Man macht es sich normalerweise nicht bewußt, daß man eine menschenähnliche Figur steuert. Man kann sagen „Mache das, gehe hier hin“ und er macht es.

Ich glaube, jeder Mensch, der solche Spiele genießt, hat inhärent, intrinsisch verursacht ein Bedürfnis nach Menschen, die er dirigieren kann. Man könnte auch sagen, er möchte Sklaven. Er möchte andere Menschen steuern.

Der Grund, warum viele Geschäftsführer nicht oft Computerspiele spielen, könnte hier zu finden sein. Ein Geschäftsführer kann in der Realität bereits Leute steuern und daher braucht er es nicht in Form eines Computerspiels, er kann sein „Spiel in echt spielen“.

Er braucht einfach nur zu sagen „Mach dies, mach jenes“ und kann damit seinen Machtanspruch, sein Bedürfnis zu steuern, sein Bedürfnis nach Sklaven befriedigen.

 

Was sagt es über dich aus, wenn du 3D-Charaktere vermenschlichst?

Was sagt es über dich aus, daß du diesen 3D-Charakter, der nur aus Pixeln besteht und nie real war vermenschlichst?

Das heißt, daß sie es geschafft haben, dein uncanny Valley zu überwinden.

Du glaubst jetzt, daß dieser Charakter tatsächlich Gefühle hat und fremdgesteuert wird.

Ist es nicht erstaunlich, daß man das in eine virtuelle Figur projizieren kann?

Überspitzt gesagt könnte es sogar Menschen geben, die Rechte für 3D-Figuren fordern.

Vermenschlichung kennt man auch bei Pflanzen und einigen Tieren, etwa Heuschrecken: man sagt, Pflanzen empfänden keinen Schmerz, genauso wie Heuschrecken.

Pflanzen haben keine Nerven wie wir. Also schließt man daraus, daß sie nicht leiden können.

Heuschrecken haben angeblich auch keine Schmerzrezeptoren, deshalb könne man sie ersticken lassen, ohne daß sie es spüren würden.

Wüßte man das nicht, gäbe es auch hier diese Vermenschlichung, wie ich sie bei 3D-Charakteren sehe.

Erinnert man sich jetzt aber daran, daß Pflanzen Botenstoffe aussondern, wenn sie gestreßt sind, könnte man auch hier Schmerz herleiten, den wir schlicht nicht messen können.

Weiß man das, dann leidet man mit der Pflanze mit.

Bücher*

Uncanny Valley

 

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