Warum ich heute mehr Selfies mache

Ich habe früher nie Selfies von mir gemacht. Ich wollte nur die Szenerie um mich herum aufnehmen.

Doch dann wurde mir klar, daß diese Fotos jeder hätte machen können.

In einer Welt, in der du nicht an dich denkst, denkt keiner an dich. Und das überträgt sich auch auf Bilder. Wer würde ansatzweise erahnen, was Tesla, Watt und Volt geleistet haben, wären ebendiese Einheiten nicht nach ihnen benannt worden.

Dadurch, daß ich auf den von mir angefertigten Bildern alleine oder mit anderen bin, gebe ich den Bildern Tiefe, mache ich sie bedeutend.

Welche Bedeutung haben schon Abbildungen von toten Objekten, wenn man sie mit Abbildungen von echten Menschen vergleicht?

Auch Pflanzen zähle ich zu den toten Objekten, da sie sich zu weit von der menschlichen Erscheinungsform unterscheiden.

Tiere sind meist ein Kompromiß.

Wir sind soziale Wesen. Je näher sich Kunst am Menschen bewegt, desto bedeutender ist sie. Musik ist populärer, wenn sie Texte enthält und Musik mit Texten ist populärer, wenn die Texte sich auf Zwischenmenschliches beziehen.

Wir wollen Vertrautes.

Wer Selfies aufnimmt, möchte mit der Welt kommunizieren, wenn er sie ins Internet hochlädt. Zeigen, daß er existiert. Und er hofft insgeheim auf Akzeptanz.

Ich mache Selfies allerdings nicht, um sie zu veröffentlichen. Ich mache sie, um mich selbst an Orte zu erinnern, an denen ich war und an Menschen zu erinnern, die ich mochte und mag.